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Steuer-ID, Steuernummer und Steuerklassen 2026: Alles Wichtige für Bulgaren in Deutschland

Steuer-ID oder Steuernummer? Welche Steuerklasse passt nach der Hochzeit, was bedeutet Klasse VI und wann ist eine Steuererklärung Pflicht? Einfach erklärt – mit allen Fristen für 2026.

Veröffentlicht am 16. August 2026

Du fängst in Deutschland an zu arbeiten und dein Arbeitgeber will deine Steuer-ID? Du fragst dich, warum du in Steuerklasse I bist, ob du nach der Hochzeit in Klasse III wechseln solltest oder was Steuerklasse VI bedeutet? Steuernummern und Steuerklassen verwirren viele Neuankömmlinge. Hier erfährst du, wie sie funktionieren, wie sie sich auf dein Nettogehalt auswirken und wann du eine Steuererklärung abgeben musst.

Das Wichtigste auf einen Blick

Begriff Was es ist
Steuer-ID 11 Ziffern, kommt automatisch nach der ersten Anmeldung, ändert sich nie
Steuernummer vergibt das Finanzamt bei Steuererklärung oder Selbstständigkeit, kann sich ändern
Steuerklasse bestimmt, wie viel Lohnsteuer jeden Monat abgezogen wird – nicht die endgültige Jahressteuer
Steuerklassenwechsel mehrmals im Jahr möglich, für das laufende Jahr bis 30. November
Abgabefrist für 2026 31. Juli 2027 (wenn du abgabepflichtig bist und selbst abgibst)

Was ist der Unterschied zwischen Steuer-ID und Steuernummer?

In Deutschland gibt es mehrere Steuernummern mit unterschiedlichem Zweck:

Die Steuer-ID (steuerliche Identifikationsnummer) hat 11 Ziffern und wird vom Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) vergeben. Du bekommst sie in der Regel automatisch per Post nach deiner ersten Wohnsitzanmeldung in Deutschland. Sie bleibt ein Leben lang gleich – auch bei Umzug, Jobwechsel, Namensänderung oder Heirat.

Die Steuernummer vergibt das zuständige Finanzamt. Sie wird bei Steuererklärungen und anderen Verfahren verwendet. Du bekommst sie, wenn du eine Steuererklärung abgibst oder dich selbstständig machst. Anders als die Steuer-ID kann sie sich ändern – etwa wenn du in den Bezirk eines anderen Finanzamts ziehst.

Merkmal Steuer-ID Steuernummer
Vergeben von BZSt Finanzamt
Ändert sie sich? nein, bleibt gleich möglich
Beim Jobstart nötig ja, in der Regel meist nicht
Für die Steuererklärung ja ja, falls vorhanden
Kommt automatisch nach der ersten Anmeldung in der Regel ja nein

Verwechsle beide nicht mit der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.), die für bestimmte Zwecke rund um Umsatzsteuer und Gewerbe verwendet wird.

Was tun, wenn du keine Steuer-ID bekommen hast?

Nach der Anmeldung bekommst du in der Regel einen Brief mit der Steuer-ID. Ist er nicht angekommen oder hast du ihn verloren, schau zuerst hier nach:

  • Frühere Lohnsteuerbescheinigung eines Arbeitgebers
  • Deine Lohnabrechnung
  • Einkommensteuerbescheid
  • Anderes offizielles Schreiben vom Finanzamt

Findest du sie nicht, kannst du sie auf der offiziellen Website des BZSt erneut anfordern. Die Steuer-ID wird nur per Post verschickt – aus Datenschutzgründen nicht am Telefon oder per normaler E-Mail.

Hast du noch keine Steuer-ID, sag deinem Arbeitgeber Bescheid. Unter bestimmten Voraussetzungen kann er die Lohnsteuer vorübergehend nach den voraussichtlichen Merkmalen abziehen, bis die Nummer da ist.

Was ist eine Steuerklasse?

Die Steuerklasse dient vor allem dazu, die monatliche Lohnsteuer zu berechnen, die dein Arbeitgeber einbehält. Sie hängt von deinem Familienstand ab, vom Anspruch auf den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende und davon, ob du einen Zweitjob hast.

Wichtig: Die Steuerklasse ist kein Steuersatz und sagt nicht, wie viel Prozent Steuer du auf dein gesamtes Gehalt zahlst.

Die sechs Steuerklassen 2026

Klasse Für wen sie in der Regel gilt
Klasse I Ledige, Geschiedene und bestimmte getrennt lebende oder verwitwete Personen
Klasse II Alleinerziehende, die die Voraussetzungen für den Entlastungsbetrag erfüllen
Klasse III Bestimmte Verheiratete, meist in Kombination mit Klasse V, sowie manche Verwitwete
Klasse IV Verheiratete, die nicht dauernd getrennt leben – Standardkombination IV/IV
Klasse V Der Ehepartner einer Person in Klasse III
Klasse VI Zweit- und jeder weitere Job mit individuellem Lohnsteuerabzug

Das ist vereinfacht. Für manche internationalen Familien und weitere Sonderfälle gelten zusätzliche Regeln.

Klasse I – ledig oder geschieden

Bist du ledig und arbeitest in Deutschland, bist du in der Regel in Klasse I. Sie gilt auch für viele Geschiedene und für dauernd getrennt lebende Ehepartner, wenn die Voraussetzungen für eine andere Klasse nicht erfüllt sind.

Ein Kind allein bedeutet nicht automatisch Klasse II.

Klasse II – für Alleinerziehende

Klasse II ist für Alleinerziehende, die Anspruch auf den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende haben. In der Regel muss das Kind in deinem Haushalt leben und weitere gesetzliche Voraussetzungen müssen erfüllt sein. Ein Kind zu haben oder geschieden zu sein, reicht allein nicht.

Erfüllst du die Voraussetzungen, bist aber in Klasse I, beantrage eine Korrektur beim Finanzamt.

Klassen III/V – wenn Ehepartner unterschiedlich verdienen

Ehepaare können die Kombination III/V wählen. Meist nimmt der Partner mit dem höheren Einkommen Klasse III, der andere Klasse V.

  • Der Partner in Klasse III hat ein höheres monatliches Netto.
  • Beim Partner in Klasse V können die monatlichen Abzüge hoch sein.
  • Das heißt nicht, dass die Familie insgesamt weniger Steuern zahlt – nach der Steuererklärung kann eine Nachzahlung fällig werden.

Wichtig: Bei der Kombination III/V ist eine jährliche Steuererklärung in der Regel Pflicht.

Klassen IV/IV – der Standard nach der Hochzeit

Nach der Heirat wird – wenn ihr die Voraussetzungen erfüllt – automatisch die Kombination IV/IV eingetragen. Sie passt besonders, wenn beide ungefähr gleich viel verdienen, ihr könnt aber auch bei unterschiedlichen Gehältern dabei bleiben.

Klasse IV mit Faktor (Faktorverfahren)

Hier bleiben beide Ehepartner in Klasse IV, aber das Finanzamt berechnet einen Faktor aus euren voraussichtlichen Einkommen. Ziel ist, dass die monatlichen Abzüge näher an der tatsächlichen Jahressteuer der Familie liegen.

Das ist sinnvoll, wenn ihr unterschiedlich verdient, die Abzüge aber gleichmäßiger verteilen wollt. Beim Faktorverfahren müsst ihr in der Regel eine Steuererklärung abgeben.

Klasse VI – wenn du einen Zweitjob hast

Klasse VI gilt in der Regel für einen Zweitjob, bei dem der Arbeitgeber die Lohnsteuer individuell abzieht. Hast du zwei normale Jobs, ist einer der Hauptjob und der andere meist in Klasse VI. In dieser Klasse sind die monatlichen Abzüge oft höher.

Nicht jeder Zweitjob bedeutet aber Klasse VI. Bei einem Minijob mit Pauschalsteuer wird Klasse VI in der Regel nicht verwendet. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu Minijob und Midijob.

Wichtig ist, dass deine Arbeitgeber wissen, welcher Job für die ELStAM (elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale) der Hauptjob ist.

Kannst du deine Steuerklasse wechseln?

Ja, wenn du die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllst:

  • Den Antrag stellst du beim Finanzamt über Mein ELSTER oder mit dem offiziellen Formular.
  • 2026 kannst du die Steuerklasse mehrmals im Jahr wechseln.
  • Damit der Wechsel noch im laufenden Jahr gilt, muss der Antrag bis spätestens 30. November gestellt werden.
  • Die neue Kombination gilt in der Regel ab dem Folgemonat.
  • Für den Wechsel von III/V zu IV/IV reicht der Antrag eines Ehepartners – die Änderung gilt dann für beide.

Ändert die Steuerklasse die Jahressteuer?

Das ist eine der wichtigsten Fragen. Bei gleichem Jahreseinkommen und gleichen Freibeträgen ändert die Wahl der Steuerklasse allein nicht die endgültige Jahressteuer. Sie bestimmt vor allem, wie viel Lohnsteuer vorab jeden Monat abgezogen wird.

Bei der Jahresveranlagung wird deine tatsächliche Steuer festgesetzt. Möglich ist:

  • Du bekommst zu viel gezahlte Steuer zurück
  • Du musst nachzahlen
  • Die abgezogene Steuer liegt nah an der tatsächlichen

Die Steuerklasse kann sich aber indirekt auf Leistungen auswirken, die vom Nettogehalt abhängen – etwa Elterngeld, Arbeitslosengeld oder Krankengeld. Wechsle die Klasse deshalb nicht nur wegen eines höheren Monatsnettos, ohne die Folgen zu bedenken.

Wann musst du eine Steuererklärung abgeben?

Nicht jeder Arbeitnehmer muss eine Einkommensteuererklärung abgeben. Eine Pflicht kann zum Beispiel bestehen bei:

  • Der Kombination III/V
  • Klasse IV mit Faktor
  • Mehreren Arbeitgebern gleichzeitig, wenn Klasse VI angewendet wird
  • Bestimmten Lohnersatzleistungen (z. B. Arbeitslosen- oder Krankengeld) über der gesetzlichen Grenze, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen
  • Bestimmten Nebeneinkünften
  • Weiteren gesetzlich geregelten Fällen

Bist du nicht verpflichtet, kannst du freiwillig eine Steuererklärung abgeben – oft bekommst du dann Geld zurück.

Für das Steuerjahr 2026 endet die Frist für die Pflichtabgabe ohne Steuerberater am 31. Juli 2027. Mit Steuerberater kann die Frist länger sein.

Was ist ELSTER?

ELSTER ist das offizielle Steuerportal für die elektronische Abgabe von Steuererklärungen und Anträgen: www.elster.de. Darüber kannst du Steuererklärungen abgeben, Änderungen deiner Steuerdaten beantragen und mit dem Finanzamt kommunizieren. Registrierung und Nutzung sind kostenlos.

Wenn du noch nicht gut Deutsch sprichst, hilft dir ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein, sofern er dich in deinem Fall beraten darf.

Was gilt, wenn dein Ehepartner in Bulgarien lebt?

Arbeitest du in Deutschland und dein Ehepartner lebt in Bulgarien, schließt das eine gemeinsame Besteuerung als Ehepaar nicht automatisch aus. Unter bestimmten Voraussetzungen gibt es Sonderregeln für Ehepartner in einem anderen EU- oder EWR-Staat.

Entscheidend sind Wohnsitz, steuerlicher Status und die Einkünfte in Deutschland und im Ausland. Das Finanzamt kann eine Bescheinigung über die ausländischen Einkünfte verlangen.

Geh nicht davon aus, dass dir die Ehe allein automatisch Klasse III gibt.

Musst du Einkünfte aus Bulgarien angeben?

Möglicherweise ja. Bist du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig, erfasst das deutsche Steuerrecht grundsätzlich dein Welteinkommen. Wie Einkünfte aus Bulgarien genau besteuert werden, hängt von ihrer Art, vom nationalen Recht und vom Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Bulgarien und Deutschland ab.

Manche Einkünfte sind in Deutschland steuerfrei, erhöhen aber über den Progressionsvorbehalt deinen Steuersatz. Hast du Einkünfte aus Vermietung, Arbeit, Rente oder einem Unternehmen in Bulgarien, prüfe die Regeln für deinen Fall, bevor du die Steuererklärung abgibst.

Die häufigsten Fehler

  • Steuer-ID und Steuernummer für dasselbe zu halten
  • Zu glauben, nach der Hochzeit bekomme man automatisch Klasse III
  • Zu denken, Klasse III bedeute immer weniger Jahressteuer
  • Anzunehmen, jeder Zweitjob sei automatisch Klasse VI
  • Zu vergessen, dass bei III/V oder IV mit Faktor eine Steuererklärung Pflicht ist
  • Die eigene Steuerklasse auf der Lohnabrechnung nicht zu prüfen
  • Dem Finanzamt Änderungen nicht mitzuteilen, die eine Anpassung der Steuerdaten erfordern

Fazit

Steuer-ID, Steuernummer und Steuerklasse sind drei verschiedene Dinge:

  • Die Steuer-ID ist deine dauerhafte persönliche Steuernummer.
  • Die Steuernummer nutzt das Finanzamt für konkrete Verfahren.
  • Die Steuerklasse bestimmt, wie viel Lohnsteuer vorab von deinem Monatsgehalt abgezogen wird.

Ein höheres Monatsnetto durch eine bestimmte Steuerklasse bedeutet nicht automatisch weniger Steuern am Ende. Bei Hochzeit, Scheidung, Zweitjob oder Einkünften aus Bulgarien solltest du prüfen, ob deine Steuerdaten stimmen und ob du eine Steuererklärung abgeben musst.

Offizielle Quellen


Dieser Ratgeber enthält allgemeine Informationen und ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Die steuerliche Behandlung hängt von Familienstand, Einkommen, steuerlicher Ansässigkeit und den persönlichen Umständen ab. Stand: Oktober 2026.

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